Gülle

… über Tourismus und Berglandwirtschaft

Vor allem jetzt im Herbst sieht man im ganzen Land viele Wiesen mit weidenden Kühen. Dieses Bild gehört für uns zur landschaftlichen Idylle dazu und doch steckt hinter dieser Idylle jede Menge Konfliktpotential.

Es ist nicht die einzelne Kuh, die auf der Weide steht, die ein Problem mit sich bringt, sondern die vielen Kühe, die im Stall stehen, und dort einiges an Mist produzieren. In der Theorie fressen die Kühe das Grundfutter von der Wiese und scheiden einen Teil dieser Nährstoffe in Form von Wirtschaftsdünger wieder aus. Dieser Dünger, egal ob Festmist, Jauche oder Gülle, wird dann wieder auf den Wiesen ausgebracht, um dort entzogene Nährstoffe zurückzuführen.

In der Praxis kommt es genau während der Düngungszeiten zwischen Landwirtschaft und angrenzendem Tourismus immer wieder zu Meinungsverschiedenheiten. Doch für jedes Problem gibt es eine Lösung.

Dafür benötigen wir Verständnis und Rücksicht auf beiden Seiten: Der Hotelier muss den Bauern verstehen, der seine Wiesen düngen muss, da er sonst kein Futter für sein Vieh hätte und die Wiesen ausgelaugt würden. Vor allem Gülle, die oft auch etwas streng riechen kann, gehört zum geschlossenen Kreislauf in der Landwirtschaft dazu. Die Alternative wäre die Düngung mit geruchslosen Kunstdüngern.
Zudem würden ohne gepflegte Landschaft, wie wir sie bei uns in Südtirol genießen dürfen, auch keine Touristen zu uns kommen. Der Hotelier hätte dann kein Einkommen.

Andersrum sollte aber auch der Bauer Rücksicht auf den Hotelier nehmen und seine riechende Gülle nicht während der touristischen Hochsaison ausbringen.

Wir zu Hause haben keine Gülle, sondern Jauche. Doch auch beim Ausbringen der Jauche achten wir auf den richtigen Zeitpunkt, eventuell vor dem Regen, denn dann riecht sie nicht so stark . So werden Streitigkeiten vermieden.

Was ist eigentlich Gülle?
Gülle ist ein organischer Dünger und ist ein Gemisch zwischen Kot, Harn und Einstreu.  Früher war Gülle eher unbekannt, erst in den letzten Jahren begann sie an Bedeutung zu gewinnen. Das liegt daran dass:

  • Viele Betriebe auf Laufstall umgestiegen sind und sich für die Spaltböden entschieden haben
  • Im steilen Berggebiet das Ausbringen durch die Technik erleichtert wurde und daher nicht mehr so wetterabhängig ist
  • Stickstoff ist für die Gräser schneller verfügbar
  • Der Maschineneinsatz geringer ist
  • Ausbringen zwischen den einzelnen Futterschnitten möglich

Damit es nicht zu starken Stickstoffverlusten kommt, sollte man beim Ausbringen auf folgendes achten:

  • Nicht bei strahlenden Sonnenschein
  • Nicht bei Wind
  • Nicht auf wassergesättigten Böden
  • Die Gülle sollte vor dem Ausbringen gerührt werden
Redaktion Blauer Schurz Redaktion Blauer Schurz
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