Handschlag - konstruktive Kritik

… über konstruktive Kritik

Wenn man so manchen Medienberichten oder Onlinebeiträgen Glauben schenkt, so ist Südtirols Landwirtschaft geprägt von Lobbyismus, Gehorsam gegenüber der Pflanzenschutzmittelindustrie, Umweltverschmutzung und erhält zudem noch ungerechterweise finanzielle Beiträge von allen Seiten.

Dass die Stimmung in der Landwirtschaft und vor allem auch unter Jungbauern dadurch nicht gerade positiv ist, ist wohl logisch. Gerade deshalb müssen wir hier auch über konstruktive Kritik reden.

Personen, die nichts mit der Landwirtschaft zu tun haben, mischen sich plötzlich in Anbauformen und die Arbeit der Bauern ein. Es ist ja auch verlockend einfach, eine ganze Gruppe für jegliche Umweltsünde und soziale Ungerechtigkeit verantwortlich zu machen.

Oftmals wird, basierend auf sogenannten Fakten die man vom Hörensagen kennt, drauflos kritisiert. Vor allem in gewissen Internetforen dürfen wir Landwirte uns alle möglichen Anschuldigungen durchlesen, doch nur sehr selten findet man konstruktive Kritik. Unter konstruktiver Kritik verstehe ich, Vorschläge zu bringen, um das Problem zu lösen, aber auch, dass man sich in die Rolle des anderen versetzt, um seinen Standpunkt besser verstehen zu können.

Zum einen bedeutet das, dass sicherlich nicht jede Kritik angebracht oder gerechtfertigt ist, da sie schlichtweg auf falschen Tatsachen basiert. Zum anderen bedeutet das aber auch, dass wir Landwirte sehr wohl mit den Leuten reden wollen, und auch offen sind für Kritik, nur sollten dann auch realistische Vorschläge gebracht werden, wie wir uns verbessern können.

Es läuft vor allem im internationalen Agrarhandel nicht alles glatt, und so manche Kritik ist wohl auch gerechtfertigt, nur gibt es dafür auch gewisse Gründe. Konsumenten hätten gerne gesunde, unbelastete Lebensmittel, die fair und umweltgerecht produziert wurden und das alles zum günstigsten Preis, jederzeit im Jahr. Leider funktioniert gerade dieses System nicht, doch wir werden wohl noch viele Gelegenheiten haben, hier im Blog darüber zu reden.

Gerade deshalb schreibe ich auch für diesen Blog: zum einen, um allen Lesern, die nicht so viel Ahnung von Landwirtschaft haben, zu zeigen wie Landwirtschaft wirklich funktioniert, und um eben auch auf Kritik zu reagieren und Vorschläge zu diskutieren.

Stammtischweisheiten helfen da jedenfalls nicht weiter.

Cilli Cilli
Bereits als Kind habe ich im Weinbau, beim Beerenpflücken und hauptsächlich in der Gärtnerei meiner Eltern mitgeholfen. Mittlerweile, nach etlichen Jahren Schulerfahrung und einiger Zeit des Studiums der Agrar- und Gartenbauwissenschaften, arbeite ich als Forscherin am Versuchszentrum Laimburg. Meine Freizeit verbringe ich nach wie vor draußen in der Natur, bevorzugt am Hof von meinem Freund im Gemüseacker oder beim Apfelpflücken. Landwirtschaft, Lebensmittel und vor allem unsere Landschaft liegen mir am Herzen, daher schreibe ich auch für diesen Blog.