gute Nachbarschaft

… über gute Nachbarschaft

Wer in Südtirol Bauer ist, der hat im Verhältnis zu seiner Betriebsgröße ganz schön viele Nachbarn, Ursache dafür sind die kleinen Felder und die verteilte Struktur der Höfe. In Südtirol ist es ganz üblich dass die einzelnen Parzellen mehrere Kilometer auseinander liegen und oftmals nur 2000 m² oder noch weniger groß sind.

Ich persönlich zähle 22 Nachbarn auf gerade mal fünf Grundstücken, dazu kommen noch vier Nachbarn an meiner Hofstelle. So geht es den meisten Bauern in unserem Land und jeder weiß dass dem Nachbar und seinem Eigentum Respekt gilt und jeder verlangt das auch für sich.

Nachbarn an Wohnort oder Arbeitsplatz hat jeder Mensch, und es liegt in der Natur des Eigentums dass dieses erkennbar abgegrenzt wird. Viele Gäste in unserem Land sind allerdings erstaunt, wie frei zugänglich die allermeisten Grundstücke sind, in Siedlungsgebieten ist man diese Freizügigkeit nicht gewohnt.

Während Urlaubsgäste das Eigentum respektieren oder höchstens mal durch Desorientierung verletzen, sorgen sich die Bauern immer mehr um die Mitmenschen, welche all die landwirtschaftliche Nutzfläche als Teil Ihres Erholungsraumes sehen und diesen immer mehr für sich beanspruchen.

Grundsätzlich freut es mich und viele meiner Kollegen wenn Spaziergänger sich an unseren Kulturpflanzen und der daraus entstandenen Landschaft erfreuen. Jedoch geht der grundsätzliche Respekt des Betretens von fremden Eigentum verloren und die Beanspruchung von landwirtschaftlichen Wegen nimmt immer mehr zu.

Arbeit geht vor Freizeitvergnügen denke ich mir,  wenn ich an einer Baustelle vorbeigehe und der schwere Betonmischer dort gerade wenden muss. Dann halte ich inne und beharre nicht darauf, meinen Weg genau jetzt fortzusetzen. Ich warte, bis der Weg wieder frei ist.

Manchmal hat man das Gefühl, in der Landwirtschaft hätte der Bauer zu warten, wenn ein Mountainbiker den Wendeplatz des Traktorfahrers in seinem Grundstück quert. Die Bereitschaft, vorsichtig zu fahren, scheint bei Freizeitsportlern nicht vorhanden zu sein. Dabei gibt es so manche gefährliche Situation, in welcher der Bauer, da auf seine Arbeit konzentriert, nicht an allen Ecken damit rechnen kann, dass gerade jemand sein Grundstück durchfährt!

Seit zwei Jahren gibt es eine Initiative mit Schildern, auf denen Hundebesitzer darauf aufmerksam gemacht werden, das Hundekot nicht nur auf dem Bürgersteig nicht erwünscht ist, sondern auch auf landwirtschaftlichen Flächen. Denn es ist nicht nur lästig, dass man während des Arbeitens in einen Hundehaufen tritt, sondern auch hygienisch bedenklich, ganz besonders im Grünland, denn Hundekot kann gefährliche Krankheiten übertragen.

Besonders gut getroffen hat dies ein Bauer welcher an seinem Feld ein Schild mit der Aufschrift:

„ Hier beginnt nicht das Klo Ihres Hundes, sondern die Salatschüssel meiner Kuh!“

befestigt hat.

Ich will aber nicht nur lärmen, denn immer öfter sehe ich Hundebesitzer welche das „Häufchen“ ihres Hundes aufnehmen und dies diszipliniert bis zum nächsten Abfallkorb tragen, um es dort zu entsorgen. Auch nicht alle Radfahrer sind Rowdys. Viele tragen zu guter Nachbarschaft bei indem sie auf befestigten Wegen bleiben und inne halten – oder zumindest ihre Fahrt verlangsamen, um ihre Mitmenschen nicht bei der Arbeit zu stören, und sich und andere zu gefährden.
Gute Nachbarschaft braucht Respekt und gegebenenfalls Zeit zum Dialog. Allen Südtirolern wünsche ich Mut zum Gespräch und das Bewusstsein, dass man nicht immer einer Meinung sein muss. Der Respekt vor Eigentum und Mitmenschen ist aber ein Grundsatz, damit Zusammenleben funktioniert!

Klemens Klemens Kössler
Nach meiner Ausbildung zum Obst- und Weinbauer arbeitete ich zeitweise in einer Landschaftsgärtnerei sowie verschiedenen anderen Obst und Weinbaubetrieben in der Umgebung meines elterlichen Hofes. Als drittes von drei Kindern übernahm ich nach und nach immer mehr Arbeiten und die Führung am elterlichen Hof in St. Pauls in Südtirol. Da mein Hof in einem touristisch attraktiven Gebiet liegt, bieten wir auch die Vermietung von Ferienwohnungen an, welche zu den Einnahmen am Hof mit beitragen.