Frostalarm - Frostberegnungsanlage hilft

Frostalarm! Raus aus den Federn.

Spätfröste waren immer schon gefürchtet. Mit mehreren Methoden probiert man sich schon seit immer in der Landwirtschaft dagegen zu schützen. Eine der sonderbarsten Methoden ist dabei sicherlich die Frostberegnung. Tatsächlich ist die Frostberegnung im Apfelanbau die wohl effektivste Schutzmethode und wurde zudem von einem Südtiroler Bauern aus Terlan erfunden welcher sich mit dem Physikalischen Effekt der Wärmeabgabe beim gefrieren des Wasser beschäftigte.

Das Prinzip der Frostberegnung beruht nicht etwa auf die Wärmeisolierung durch Eis wie oft fälschlicherweise dargestellt sondern auf die Erwärmung der Umgebung durch das gefrieren.

Wasser kühlt sich ab und gibt Wärme frei :  1KCAL/LITER WASSER

Eis gibt Erstarrungswärme frei :                    80 KCAL/LITER WASSER

Waren früher die Frostwachen dabei von Thermometer zu Thermometer zu eilen um die Situation unter Kontrolle zu haben und bei Gefahr mit einem langen Sirenenton der Feuerwehr die Bauern zu alarmieren so hat sich mittlerweile viel geändert. Heutzutage läuft alles sehr gut organisiert ab, die Frostwachen welche die Temperatur beobachten und im Ernstfall den Obstbaukollegen Alarm geben gibt es nicht mehr überall sie werden langsam durch Technik und Computer ersetzt. Über das gesamte Obstbaugebiet verteilt gibt es an die 119 Wetterstationen welche über Internet abgerufen werden können. So kann jeder zu Hause am Computer die Temperatur, Wind und Verlauf ablesen. Eine Alarmmeldung kann sich jeder an sein Handy senden lassen die Alarmtemperatur kann jeder selbst festlegen dazu benutz so mancher seine Erfahrungswerte in Abweichung zur nächstgelegenen am Computer aufscheinenden Messstation. Natürlich ist auch eine APP für das Smartphone erwerbbar oder man kann (für Heute schon fast altmodisch) über einen Anrufdienst die Temperaturen der einzelnen Stationen abhören.

Für mich bedeutet so eine Frostalarm also raus aus dem Bett, warm anziehen und sofort zu meinen Apfelgärten zu eilen dort die Beregnungsmotoren anschalten (was nur selten mit einem einfachen drehen am Zündschlüssel getan ist). Dann kontrollieren ob Betriebsdruck usw. passt und weiter zum nächsten Apfelgarten. Ein Ausfall in einer solchen Situation ist schlimmer als wäre die Berechnung gar nicht in Gang gesetzt worden und kann zu einem kompletten Ernteausfall führen. Weshalb es wichtig ist dass die Maschinen funktionieren oder der Bauer bei Störungen weiß was zu reparieren ist.

Mir ist in der letzten Nacht ein Motor verreckt, für diesen Fall hatte ich aber schon seit Jahren einen Plan B. Das bedeutete dass ich mit Traktor und Reservepumpe den Rest der Nacht weiter machte. Das geht allerdings nicht ganz so schnell. Zum Glück ist in der Zwischenzeit das Eis nass geblieben (friert das Eis durch, dann stürzt die Temperatur auch im Eis weiter ab). Das heißt es war warm genug für die kleinen Äpfel und es sind keine Schäden wie etwa Frostringe oder Frostzungen zu befürchten.

Frühmorgens, wenn die Temperatur wieder ansteigt wird die Beregnung dann abgeschaltet und das Wasser versickert wieder im Boden. Es kehrt dann wieder zum Grundwasser zurück aus welchem es durch den Tiefbrunnen entnommen wurde.

Für den Bauer ist wieder eine Hürde geschafft auf dem Weg bis zur Ernte.

Ohne Frostabwehr „verbrennen“ (erfrieren) die Blüten, das schaut dann traurig aus. Erst im nächsten Jahr können wieder Blüten wachsen. Für dieses Jahr ist nichts mehr zu machen.

Erfrorene Blüte

 

Frostberegnung: Pionierarbeit aus Südtirol

Frostschäden sind seit jeher ein großes Problem im Anbau, und so fand man schon um 1948/49 erstmals zur Methode der „Bekämpfung mit Wasser“, wie dies in Südtiroler Fachkreisen damals genannt wurde. Zum Pionier der heutigen Frostberegnung wurde schließlich ein Terlaner Bauer namens Blasius Höller, der aus altem Kriegsmaterial Rohre zusammenschweißte und auf diese Weise eine Beregnung auf den Obstwiesen installierte.

Während es damals üblich war, die Frostberegnung am frühen Morgen einzuschalten, beschritt Blasius Höller neue Wege und setzte sie bereits am Abend in Gang.

Der nächste Morgen bot den vielen Schaulustigen einen besonderen Anblick: Die Bäume waren von einer dicken Eisschicht umgeben; die Blüten und Pflanzen blieben vor dem Frost verschont.

So kam es, dass viele Bauern aus Terlan diesem Beispiel folgten und zwischen 1953 und 1957 rund 200 Hektar Obstwiesen mit einer geeigneten Beregnungsanlage ausgestattet wurden, schreibt Wolfgang Drahorad in seiner Publikation „Obstbau in Terlan, Vergangenheit und Gegenwart“. Wolfgang Drahorad ist diplomierter Agrarwissenschaftler und Umweltmanager und lehrt heute als Professor an der Universität Bozen.

Dank der vorausschauenden Arbeit, dem Erfindungsreichtum und der Experimentierfreudigkeit der Bauern vor mittlerweile fast 70 Jahren entwickelte sich eine Technik zum Schutz vor Frostschäden, die heute nicht mehr wegzudenken wäre und die auch international zur Anwendung kommt.

 

Klemens Klemens Kössler
Nach meiner Ausbildung zum Obst- und Weinbauer arbeitete ich zeitweise in einer Landschaftsgärtnerei sowie verschiedenen anderen Obst und Weinbaubetrieben in der Umgebung meines elterlichen Hofes. Als drittes von drei Kindern übernahm ich nach und nach immer mehr Arbeiten und die Führung am elterlichen Hof in St. Pauls in Südtirol. Da mein Hof in einem touristisch attraktiven Gebiet liegt, bieten wir auch die Vermietung von Ferienwohnungen an, welche zu den Einnahmen am Hof mit beitragen.