Regen ist vorausgesagt, da muss ich meine Pflanzen vor Krankheiten schützen.

Nur wenige Nichtbauern wissen dass nicht etwa Insekten sondern Pilze in der Landwirtschaft die größten Schädlinge und Erntevernichter sind. Beim Apfel ist dies der Schorfpilz. Dieser kann ab Austrieb Blätter befallen und später auch Früchte. Starker Befall kann für einen kompletten Ernteausfall sorgen und die Pflanze sogar für das Folgejahr schwächen.
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Zur Entwicklung des Pilzes braucht dieser allerdings bestimmte Voraussetzungen, das heißt Temperatur und Feuchtigkeit sprich Regen oder genauer gesagt Blattnässe für einen genügenden Zeitraum um zu keimen. Je wärmer desto schneller keimt er, trocknet es zu früh ab dann ist die Infektion gestoppt und der Keim stirbt ab. Schorfsporen sind praktisch überall in der Luft wie tausende andere Pilzsporen.

Als Apfelbauer ist die Wettervorhersage deshalb sehr wichtig um meine Nutzpflanzen vor Schorfbefall zu schützen.

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Steht eine längere Blattnassdauer (Regen) an, so kann ich durch ein vorab auf die Pflanzen aufgegebenes Fungizid die Keimung der Sporen verhindern, dazu stehen verschiedene Präparate zur Verfügung synthetische aber auch biologische wie SKB.

Die Regenbeständigkeit der PSM ist verschieden Kupfermittel mit 20 mm Niederschlag, Schwefelkalk bis zu 40 mm, synthetische bis 60 mm. Dauert die Regenperiode länger an so muss je nach Beständigkeit des PSM nachbehandelt werden oder sogar in den Regen behandelt werden damit der Keim nicht weiterwachsen kann. Behandlungen rückwirkend gibt es auch, Schwefelkalk hierbei nur wenige Stunden was im Normalfall bedeutet dass es noch regnet. Andere Mittel erlauben bis zu 90 Stunden nach Infektion noch zu handeln, das bedeutet dass ein überraschender Regenfall mit Infektion noch behandelbar ist. Biozertifizierte Produkte haben nur vorbeugend oder kurz nach Regenbeginn eine zuverlässige Wirksamkeit und bewirken den Nachteil dass eine Behandlung immer erfolgen muss da man nicht mit kurativen PSM arbeiten kann, somit ist die Gefahr eine Infektion nicht stoppen zu können viel höher. Dies ist einer der Hauptgründe warum Bioproduktion teurer ist.

Ende Mai verändert sich die Lebensweise des Pilzes vom Primär- zum Sekundärschorf das bedeutet wenn der Primärschorf gut abgewehrt ist, so ist das Entstehen des Sekundärschorfes sehr eingeschränkt. Blätter und Früchte haben eine andere Oberfläche entwickelt und der Schorf hat es schwieriger sich zu entwickeln. Das bedeutet eine erfolgreiche Primärschorfbekämpfung ist die beste Ausgangslage zur der Bekämpfung des Sekundärschorfes.

Südtirol hat durch sein Klima einen großen Vorteil gegenüber anderen Anbaugebieten unserer Erde, die verhältnismäßig kurzen Regentage und die ansonsten trockene Luft welche die Fallwinde der Berge erzeugen, halten den Schorfbefall bereits von Natur aus gering.

Nicht alle Sorten sind gleich anfällig gegenüber Schorf. Manche Sorten sind sogar resistent gegenüber Schorfpilz. Resistente Sorten sind z.B. Florina, Goldrush oder die neue Sorte Modi. Aber auch der Schorfpilz entwickelt sich weiter und ehemals resistente Sorten, wie zum Beispiel Topaz, werden von neuen Generationen des Schorfpilzes befallen. Die Resistenz ist gebrochen. Das ist eben Natur, ein ständiger Wettlauf und das macht den Beruf Landwirt auch besonders spannend.

Unser Institut Laimburg beschäftigt sich seit relativ kurzer Zeit (20 Jahre) mit Sortenzucht und hat als einen der Schwerpunkte Schorfresistent in seinem Programm, vielleicht werden wir in einigen Jahren durch eine neu entwickelte Sorte der Laimburg, viele Pflanzenschutzmaßnahmen reduzieren können, wer weiß.

Klemens Klemens Kössler
Nach meiner Ausbildung zum Obst- und Weinbauer arbeitete ich zeitweise in einer Landschaftsgärtnerei sowie verschiedenen anderen Obst und Weinbaubetrieben in der Umgebung meines elterlichen Hofes. Als drittes von drei Kindern übernahm ich nach und nach immer mehr Arbeiten und die Führung am elterlichen Hof in St. Pauls in Südtirol. Da mein Hof in einem touristisch attraktiven Gebiet liegt, bieten wir auch die Vermietung von Ferienwohnungen an, welche zu den Einnahmen am Hof mit beitragen.