Von wegen landwirtschaftliche Überproduktion

Über ein oft gehörtes Vorurteil

Immer wieder bekommt man als europäischer Bauer den Vorwurf der landwirtschaftlichen Überproduktion und dies als Ursache für Umweltprobleme. So manche sehen deshalb die Lösung der Probleme indem die Landwirtschaft reduziert wird, auch ein Grund dafür dass der fortwährende Flächenverlust in der Landwirtschaft für die Öffentlichkeit nicht als Problem gesehen wird. „Es gibt ja eh Überproduktion“

Auch wird gern behauptet die Landwirtschaft kostet zu viel und trägt nicht zum Bruttosozialprodukt bei.

Aber stimmen diese Behauptungen? Man muss tief graben um zu brauchbaren Daten zu kommen der Lebensmittelhandel ist weltweit ein fast undurchsichtiges Netzwerk, aber eben nur fast.

Sieht man sich die Import-Exportzahlen der EU an so kommen die Agrarprodukte auf ein leichtes Plus. Aber Vorsicht dieses Plus ist rein monetär das heißt Europas Landwirtschaft produziert teure Produkte weil hochwertig verarbeitet, wie z.B. Fleisch, Wein und sämtliche verarbeiteten Lebensmittel deren Rohstoff vielfach wiederum aus dem Ausland kommt.

Das heißt aber die europäische Landwirtschaft macht ihre Aufgabe und trägt so zur Steigerung des Bruttosozialproduktes bei.

Betrachtet man aber den Nährwert im Import-Export so wird schnell klar Europa kann sich selbst gar nicht mehr ernähren. Ohne die Vielzahl von Futtermittel und Getreide aber auch Obst und Gemüse Importe würde es in unseren Lebensmittelläden leer aussehen.

Als Beispiel bringe ich her die Zahlen von Obst und Gemüse Import-Export. Dass Bananen und Ananas aus dem Ausland kommen wird von manchem Verbraucher schon gar nicht mehr wahrgenommen, sind ja immer vorhanden. Aber auch Kartoffeln, Tafeltrauben, Tomaten, Zwiebeln, Knoblauch, Beerenfrüchte und vieles mehr kommt von außerhalb Europa, weil es dort viel billiger produziert werden kann als in einem Europa mit höheren Löhnen, hohen Umweltauflagen und Arbeitssicherheitsgesetzen. Als Verbraucher werden die niedrigen Kosten für die Importware gern angenommen und das heimische Produkt der heimische Landwirt ziehen dabei den Kürzeren.

Der Import von Obst und Gemüse hat gegenüber 2016 um 6% zugenommen der Export hingegen hat um 9% abgenommen in totalen Zahlen bedeutet das:

Import 14.700.000 Tonnen, Export 6.500.000 Tonnen, eine Differenz von 8.200.000 Tonnen. Also wird weit mehr als das doppelte in die EU importiert, von wegen Überproduktion.

Fazit: der europäische Verbraucher isst den Entwicklungsländern das Essen vom Teller und nimmt masgeblich Teil an der Abholzung der Regenwälder, aber diese Tatsache will niemand hören.

Wie sieht es mit anderen Produkten aus kann mir jemand Zahlen bringen? Bei Eurostat gibt es so einiges zu finden.

Klemens Klemens Kössler
Nach meiner Ausbildung zum Obst- und Weinbauer arbeitete ich zeitweise in einer Landschaftsgärtnerei sowie verschiedenen anderen Obst und Weinbaubetrieben in der Umgebung meines elterlichen Hofes. Als drittes von drei Kindern übernahm ich nach und nach immer mehr Arbeiten und die Führung am elterlichen Hof in St. Pauls in Südtirol. Da mein Hof in einem touristisch attraktiven Gebiet liegt, bieten wir auch die Vermietung von Ferienwohnungen an, welche zu den Einnahmen am Hof mit beitragen.