Blühende Sprache – Flüchtlinge helfen in Gärtnereien

Es ist Anfang Mai. Der Frühling tut sich in diesem Jahr schwer. Nach einem starken Verkaufsbeginn kämpfen wir seit einigen Wochen mit ungewöhnlich tiefen Temperaturen, Kälteeinbrüchen, ja sogar mit Schnee in höheren Lagen. Für eine Gärtnerei bedeutet dies in einer Zeit, in der eigentlich die höchsten Tagesumsätze erzielt werden, nichts Gutes. Und dennoch sind wir dankbar, dass wir in den letzten Jahrzehnten in unsere modernen Betriebsstrukturen investiert haben und dadurch unsere Pflanzenproduktion in den Gewächshäusern vor solchen Wettereinflüssen gut schützen können.
Die Glashäuer stehen voller verkaufsfertiger Pflanzen und die nächsten jungen Pflanzen stehen in den Startlöchern und warten darauf, verpflanzt zu werden. Unsere Mitarbeiter sind angespannt, denn eines ist klar, in diesem Jahr fällt alles zusammen: Muttertag, der Höhepunkt der Beet- und Balkonsaison sowie der Verkauf von Kräutern, Gemüse- und Salatpflanzen.
Wie in jedem Betrieb mit saisonalen Spitzen benötigen wir jetzt umso mehr jeden Mann/Frau, die in den nächsten Tagen über sich hinauswachsen. Konzentration, Leistungsbereitschaft und Freundlichkeit am Kunden sind das oberste Gebot. Und plötzlich gibt es in diesen Tagen Licht am Horizont, es gibt Hilfe, die wir in diesem Moment nur dankend annehmen können.
Diese Hilfe heißt Mamadou und Kemo. Sie sind 18 und 21 Jahre alt, stammen aus Mali und Gambia und haben in ihrem jungen Leben sicher schon einiges erlebt. Wie müssen sie sich fühlen, so jung und so allein in einem fernen kleinen Land namens Südtirol, das anders ist als das gewohnte zu Hause. Ein fast schon dekadentes Land, dass vor Schönheit nur so protzt: herrliche Landschaften, moderne Häuser, so viel Arbeit und so viel materieller Reichtum. Und dennoch herrscht so viel Hektik, so viele Ängste, so viel Unzufriedenheit.

 

Topfen, wässern, pflegen…

Mamadou und Kemo sind freundlich, hilfsbereit und pünktlich. Sie wirken dankbar für die Chance, bei uns etwas lernen zu dürfen. Sie haben bereits eine mehrwöchige Ausbildung an der Fachschule Laimburg absolviert und einen Deutschkurs besucht, aufgrund dessen sie sich schon gut verständigen können. Mit Freude und Respekt arbeiten sie mit unseren Jungpflanzen. Sie helfen beim Topfen, stellen die Pflanzen an den für sie vorgesehenen Platz und kontrollieren die richtige Wasserversorgung. Aber auch bei der Bepflanzung der Balkonkisten sind ihre fleißigen Hände unverzichtbar. Schnell lernen sie die wichtigsten Handgriffe und sind überall zur Stelle, wo gerade Not am Mann ist.

 

Mamadou und Kemo bei der Arbeit in der Gärtnerei Auer in Brixen.

Eigentlich erledigen sie in unserer Gärtnerei all jene Arbeiten, welche die Entwicklungshilfe in ihrer Heimat durchführt und für die Grundversorgung ihrer Landsleute notwendig sind. Es geht darum, gesunde Pflanzen für die Nahrungsmittelproduktion herzustellen, sie auszupflanzen und ihr Wachstum zu kontrollieren, damit eine ertragreiche Ernte garantiert werden kann.
Vielleicht denken Sie in diesem Sommer daran, wenn sie ihre gesunden Tomaten oder den knackigen Salat aus dem eigenen Garten holen oder voller Stolz die Blumenpracht ihres Balkons bewundern. Wir sagen danke Mamadou und Kemo, für euren Fleiß, euren Einsatz und dass ihr unsere Welt durch euer Tun und eure Kultur bereichert habt.
Danke für EURE (Entwicklungs-)Hilfe in unserem Land.

Gastbeitrag von Marlies Auer.

Redaktion Blauer Schurz Redaktion Blauer Schurz
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