Ist Lebensmittelproduktion Wasserverschwendung?

Die Sonne brennt auf den Boden, die Temperaturen steigen, die Klimaerwärmung macht sich in diesem Sommer wieder voll bemerkbar. Während Menschen sich in klimatisierten Räumen aufhalten und Tiere Schatten suchen, stehen unsere Nutzpflanzen dem veränderten Klima schutzlos ausgesetzt gegenüber.

Während die Ansprüche an Lebensmittel  steigen und damit auch unsere Nutzpflanzen und Tiere immer mehr leisten müssen, muss die Landwirtschaft mit dem unausgewogenen Bedarf an Wasser immer bessere Leistung erbringen. Seit der Mensch Ackerbau und Viehzucht betreibt gehört es auch dazu dass er das lebensnotwendige Wasser besorgt um Pflanzen und Tiere zu versorgen und natürlich sich selbst.

Seit Jahrhunderten wurden Waale angelegt um Zonen mit weniger Niederschlag aus niederschlagreicheren Gebieten zu versorgen. Stauseen und Rückhaltebecken wurden angelegt, Tiefbrunnen geschlagen oder gebohrt und Leitungen verlegt Pumpen installiert und Bewässerungssysteme weiterentwickelt.

Der Gesetzgeber musste Ordnung schaffen im Bedarf des Menschen am Element Wasser. Priorität hat der Mensch und damit Trinkwasser-Gewinnung, an zweiter Stelle die Landwirtschaft und an dritter Stelle die Energie-Gewinnung mit Wasserkraft.

Unser Südtirol ist ein Wasserreiches Gebiet. Dass die Gebiete im Oberitalienischen Raum von dem Wasser abhängen welches unser Land mit der Etsch verlässt wurde in diesem Jahr bereits mehrmals klar und die heimischen Wasserkraftwerke mussten mehr Wasser ablassen als ihnen ökonomisch lieb war damit Gebiete wie Verona, welche ihr Trinkwasser aus der Etsch beziehen, mit genügend Wasser versorgt wurden.

Nun wurde auch für die Landwirtschaft eine Verordnung erlassen um Wasser zu sparen, diese ist zwar noch nicht einschneidend aber macht klar dass Wasser knapp wird und sich jeder einen ausgiebigen Regen wünschen kann, denn die Wasserspeicher sind dürftig gefüllt oder gar leer. Auch die vielen Rückhaltebecken zur Kunstschneeherstellung sind nach diesem schneelosem Winter leer und warten auf Regen. Gäbe es all diese künstlichen Wasserreservoire nicht so wäre das Wasser schon im letzten Sommer abgeflossen und hätte für diese so lange Regen und Schnee-arme Zeit nicht zur Verfügung gestanden.

Nach der jüngsten Verordnung des Landeshauptmannes zum Wassersparen in der Landwirtschaft sind aber auch Stimmen laut geworden welche die Landwirtschaft als einen Verursacher der Wasserknappheit sehen, in Facebook gibt es diesbezüglich Diskussionen und es wird als Privileg der Bauern gesehen dass diese Wasser verwenden dürfen wo doch die Landwirtschaft als „der größte Verbraucher von Wasser“ bezeichnet wird.

Wasser für die Landwirtschaft ist Wasser zur Lebensmittelproduktion, und Lebensmittel braucht der Mensch wie Wasser um seinen Körper am Leben zu halten.

Ist dieses Bewusstsein komplett verloren gegangen weil unsere Lebensmittelgeschäfte immer Lebensmittel aus aller Welt haben und natürliche Ursachen wie Wassermangel nicht mehr zu spüren sind?

zu wenig Wasser bedeutet auch zu wenig Lebensmittel

Sind diese Zusammenhänge für unsere Zivilisation nicht mehr zu verstehen?

Dabei wird immer von Wasser-ver-brauch gesprochen besser ausgedrückt wäre es wohl mit Wasser-ge-brauch, das Wasser welches in der Landwirtschaft gebraucht wird, wird der Natur sogleich zurückgegeben. Bewässerungswasser wird oft hochgepumpt und kann somit wieder nach unten abfließen, es wird oft in Stauseen am abfließen gehindert und später ausgebracht und kann somit wieder in den Boden eindringen und dabei Pflanzen und Tiere versorgen. Aus Tiefbrunnen hochgepumpt wird es der Landwirtschaft und Natur verfügbar gemacht, Vögel welche in Pfützen baden, Hasen welche an der Tropfberegnung trinken, Regenwürmer welche den feuchten und damit nahrungsreichen Boden durchbohren können, sind nur einige Zeugnisse davon.

Wasser für die Landwirtschaft ist auch Wasser für die Natur

Dass wir in Südtirol sehr sauberes Wasser auch zur Bewässerung nutzen können ist ein Privileg das uns unsere Berge bescheren.

Trinkwassertaugliches Wasser muss den höchsten Standards entsprechen. Trinkwasser kommt in Südtirol meist aus Quellen und Stollen hoch am Berg, dort wird es in Rohrleitungen geleitet und ist der Natur entzogen, nach einem kurzen „Lichtblick“ des Trinkwassers bei Waschbecken, Dusche oder Klospülung geht der Weg weiter in die Schmutzwasserableitung bis zur Kläranlage dort wird es gesäubert und fließt direkt in eines unserer größeren Gewässer direkt auf den Weg unser Land in Richtung Meer zu verlassen. Praktisch besteht eine geschlossene Leitung von der Quellfassung am Berg bis zu Etsch, Eisack oder Rienz. Dieses Wasser ist dann echt ver-braucht und nicht nur ge-braucht.

 

Klemens Klemens Kössler
Nach meiner Ausbildung zum Obst- und Weinbauer arbeitete ich zeitweise in einer Landschaftsgärtnerei sowie verschiedenen anderen Obst und Weinbaubetrieben in der Umgebung meines elterlichen Hofes. Als drittes von drei Kindern übernahm ich nach und nach immer mehr Arbeiten und die Führung am elterlichen Hof in St. Pauls in Südtirol. Da mein Hof in einem touristisch attraktiven Gebiet liegt, bieten wir auch die Vermietung von Ferienwohnungen an, welche zu den Einnahmen am Hof mit beitragen.