Wetterläuten – nur ein Aberglaube?

Es ist ein schauriges Gefühl, wenn sich dunkle Wolken auftürmen, wenn man sieht wie der weiße Schleier des Regens immer näher kommt und die ersten Blitze das Tal erhellen. Gewitter waren schon immer gefürchtet und sind es heute noch. Der Mensch hat Angst vor allem, was er nicht beherrscht und nicht versteht.

Seit jeher gibt es Bräuche, die die Gefahr des Unwetters abwenden sollten und auch heute werden diese noch gepflegt. Ob es die „Kräuterbuschen“ sind, die am Hochunserfrauentag gesegnet werden und dann bei heftigen Gewittern verbrannt werden, oder das Wetterläuten – solche Traditionen werden von Generation zu Generation weitergegeben und haben heute noch einen hohen Stellenwert in vielen Teilen Südtirols.

Die Entwicklung des herannahenden Gewitters wird genauestens beobachtet, sei es von den Bauern, als auch vom Messner im Dorf.  Egal ob bei Tag oder bei Nacht, sobald das Unwetter nahe genug ist, werden die Kirchenglocken geläutet, denn man sagt, dass die geweihten Glocken die schweren Wolken vertreiben.

Besonders Landwirte schätzen diese alte Tradition, sie erinnert daran, wie schnell die harte Arbeit eines Jahres in wenigen Minuten zerstört werden kann.

Vielleicht ist das Wetterläuten nicht wissenschaftlich bestätigt, vielleicht vertreibt der Schall der Glocken auch nicht alle dunklen Wolken, aber es gibt uns ein Gefühl der Sicherheit.
Muss jeder daran glauben? Sicherlich nicht.

Muss ich jedoch Verständnis für meine Mitbürger aufbringen, die an diesem jahrhundertealten Brauch und Glauben festhalten?  Meiner Meinung nach schon!

Tamara Tamara Kaserer
Als viertes von fünf Kindern bin ich auf einem Bergbauernhof in Trumsberg, am Vinschger Sonnenberg aufgewachsen. Schon als Kind half ich meiner Mutter bei der Herstellung unserer hofeigenen Produkte. Nach dem Abschluss an der Fachoberschule für Tourismus und Fremdsprachen arbeite ich jetzt als Büroangestellte. Da mir meine bäuerlichen Wurzeln sehr wichtig sind, helfe ich in meiner Freizeit gerne am Hofschank meiner Eltern und im Obstbaubetrieb meines Freundes mit. Das bäuerliche Leben, Landwirtschaft, Ehrenamt und Tradition bedeuten mir sehr viel, weshalb ich diese Themen gerne nach Außen trage.