Sehnsucht Bauernhof

Wie geht es eigentlich den Jungbauern im Trentino? Francesco Zendri ist ein junger Bauer aus dem Ledrotal. Der 34jährige mit Doktorat in Tierhaltungswissenschaften hat seinen Traum vom Bauer sein verwirklicht und den elterlichen Hof übernommen. Darüber was ihn bewegt, beschreibt dieser Blogbeitrag.

Zendris Drang nach neuem Wissen für die Landwirtschaft begann an der Oberschule für Landwirtschaft der Stiftung Edmund Mach in San Michele all’Adige. Was folgte war ein Studium mit Doktorat über die Milchviehhaltung im Trentiner Berggebiet am Department für Agronomie, Tiere, Lebensmittel, natürliche Ressourcen und Umwelt der Unversität Padua. Darauf hin stürzte sich Zendri in das Projekt „cow plus“, das vom Land Trentino unterstützt wurde und die bisherige Entwicklung der Trentiner Almwirtschaft sowie auf deren Perspektiven beleuchtete.

Die Sehnsucht, selbst einen Hof zu bewirtschaften, führte Francesco zurück zu seinen Wurzeln – dem elterlichen Hof. Sein Wunsch mit der Natur zu leben und zu arbeiten war sehr groß. Ein Job im Büro wäre nichts für den Jungbauer. Seit gut zwei Jahren führt er den Milchviehbetrieb seiner Familie, von der er die Leidenschaft für die bäuerliche Arbeit geerbt hat. Er erinnert sich noch immer an die Sommerzeit, bei der er mit seinem Opa auf der Alm war.

In den Achtzigern erweiterte sein Vater den Stall und stieg hauptberuflich in die Milchwirtschaft ein. Derzeit hält Francesco fast 50 Milchkühe. Die meisten der Rasse Braunvieh und einige Holstein. Die Fütterung schließt den Einsatz von Silagen strikt aus, denn der Betrieb produziert Milch für die Herstellung des „Trentingrana“, der bekanntesten Heumilchkäsesorte des Trentino. Der Zendrihof ist Mitglied der Genossenschaftssennerei “Latte Trento”.

Der Betriebsinhaber von einem kleinen Betrieb kann es sich einfach nicht leisten einen Mitarbeiter als Ersatzkraft für die eigenen Urlaubstage zu zahlen. Nur einige Jungbauern haben das Glück, auf helfende Familienangehörige zurückgreifen zu können.
Francesco Zendri

Francesco ist sich bewusst, dass mit diesem Beruf nicht wirklich viel Zeit für Familie und Urlaub übrigbleibt. Deswegen hält es der Trentiner Milchbauer für unumgänglich, dass die Lebensgefährtin eines Milchbauern die Liebe für diesen Beruf teilt oder mindestens versteht. Seine Freundin, erzählt Francesco, ist auch mit einigen Tagen (statt einer ganzen Woche) Urlaub im Jahr zufrieden und ist auch spontan, wenn es um die Freizeit geht. Oft würde auch er gerne mehr Zeit mit der Familie verbringen, aber die Arbeit am Feld und im Stall ist viel.
Der Trentiner Jungbauer ist überzeugt, dass es kaum möglich ist einen sehr kleinen Hof im Vollerwerb zu führen. Der Betriebsinhaber von einem kleinen Betrieb kann es sich einfach nicht leisten einen Mitarbeiter als Ersatzkraft für die eigenen Urlaubstage zu zahlen. Nur einige Jungbauern haben das Glück, auf helfende Familienangehörige zurückgreifen zu können.

 

 

Als Doktor der Nutztierwissenschaften weiß Francesco über die Milchproduktion im Trentino bestens Bescheid. Die Anzahl der Milchviehbetriebe ist im Trentino zwischen 1980 und 2010 um 80% gesunken, die durchschnittliche Betriebsgröße hingegen ist von 5 auf 20 Milchkühe gestiegen. Dies hängt nicht nur mit dem fehlenden Anerbenrecht im Trentino zusammen, sondern auch mit den veränderten sozialen Bedingungen und Wünschen der neuen Generation.

Innovation spielt für den Jungbauer eine große Rolle. Er ist davon überzeugt, dass die technologische Entwicklung in der Berglandwirtschaft überlebenswichtig ist und es den Bauern ermöglichen wird, den wachsenden Ansprüchen der Gesellschaft gerecht zu werden. Darüber hinaus stellt er fest, dass die Technologisierung in Zeiten steigender Markvolatilität im Milchsektor ausschlaggebend ist.
Er selbst hat, gleich nach der Hofübernahme, einen Melkroboter in seinem Stall eingesetzt. Der Wecker klingelt nun etwas später und auch für die Familie bleibt dem Jungbauern etwas mehr Zeit. Um das Tierwohl im Stall zu verbessern, überlegt Francesco eine Klimaanalage zu installieren und ein Fütterungsroboter einzusetzen. Derzeit ist dies allerdings noch Zukunftsmusik.

Wenn Menschen die regionale Landwirtschaft kennen, dann lernen sie diese zu schätzen und wollen unsere hochwertigen Produkte auch kaufen. Heimat ist ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft am Berg!
Francesco Zendri

Der Zendrihof im Ledrotal liegt in der Nähe des Gardasees. Für die Zukunft sieht der Jungbauer ein großes Potenzial in der Direktvermarktung und der Zusammenarbeit mit Hotels sowie den lokalen Vereinen. Viele junge Milchbauern im Tal sind den Weg der Differenzierung bereits erfolgreich gegangen.

 

 

Dass auch ein offener Dialog mit der nicht-landwirtschaftlichen Gesellschaft sehr wichtig ist, darüber ist sich Francesco bewusst und fügt hinzu: „Wenn Menschen die regionale Landwirtschaft kennen, dann lernen sie diese zu schätzen und wollen unsere hochwertigen Produkte auch kaufen. Heimat ist ein wichtiger Faktor für die Wirtschaft am Berg!“
Der Jungbauer hält den Austausch mit den alpinen Ländern für wichtig um innovative Konzepte in Bewegung zu bringen. Netzwerke und Synergien sind das Wichtigste um Betriebe effizienter gestalten zu lernen.

Ein Blogbeitrag von Luca Marconcini.

Redaktion Blauer Schurz Redaktion Blauer Schurz

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