Das muss man erst einmal aushalten!

Da ich seit längerem kein Chlorpyrifosethyl mehr gegen die Überträger der Apfeltriebsucht einsetzte, bekam ich ein großes Problem mit der Blutlaus. Die Bäume sahen mit ihren Wollknäueln an den Blattstielen zum Teil aus wie Weidenkätzchen. Die Folge war, dass die Bäume nur mehr schwach blühten.

Heuer bahnte sich dasselbe an, und ich bekam es mit der Angst zu tun. Es wurde mir erzählt, dass im Unterland deswegen Anlagen gerodet werden mussten. Ein innerer Kampf entfachte sich und verfolgte mich sogarim Schlaf. Wozu dann Obstbau, wenn ich keine Äpfel haben soll? Wozu all die Sorge und der Aufwand? Ich spielte bereits mit dem Gedanken, mich mit dem noch zugelassenen Mittel Chlorpyrifosmethyl einzudecken, aber der Mitarbeiter in der Warenvermittlung riet mir noch ein wenig zuzuwarten und zu beobachten. Er habe mitbekommen, dass sich heuer die Blutlauszehrwespe gut entwickle.

Jeden Tag beobachtete ich in den Wiesen die weitere Entwicklung. Und in der Tat, irgendwann kamen die winzig kleinen Tierchen und machten sich an die Arbeit. Sie machten ihre Arbeit gut. Es dauerte keine zwei Wochen und sie hatten mit dem Problem aufgeräumt. Eine große Erleichterung. Dankbar für die Ermutigung, obwohl ich nicht weiß wie die Blüte nächstes Jahr sein wird. Ich war froh, dass ich nicht spritzen musste, denn ich hätte nicht nur die Zehrwespe ausgeschalten, sondern auch die Marienkäferlarven, die sich gerade über die Läuse hermachten.

Was ich aber möchte ist diese Ängste, diese Gefühle, diese inneren Kämpfe all jenen in die Herzen schreiben, die glauben Landwirtschaft wäre eine Frage der einfachen Zurufe.
Hans Tappeiner

Dennoch: Das muss man erst einmal aushalten. Diese hier beschriebene Situation ist nur eine von vielen. Diese Gefühle, diese inneren Kämpfe stellen sich auch bei all den anderen Entscheidungen ein, wo es gilt Eingriffsgrenzen auszuloten und teils auch Risiko zu wagen. Ich kann nur von mir behaupten, dass das ein ziemlich robustes Nervengewand braucht. Sicher, bei mir kommt noch dazu, dass ich als Pensionist nicht davon leben muss. Umso mehr habe ich Verständnis für all jene, die sich bestimmte Wagnisse nicht leisten wollen. Was ich aber möchte ist diese Ängste, diese Gefühle, diese inneren Kämpfe all jenen in die Herzen schreiben, die glauben Landwirtschaft wäre eine Frage der einfachen Zurufe. Aus eigener Erfahrung weiß ich, es ist gleichzusetzen mit der Angst aller Menschen, die mit unsicheren Einkommenssituationen leben müssen.

Blogbeitrag von Hans Tappeiner.

Redaktion Blauer Schurz Redaktion Blauer Schurz

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