Der Bauer soll die Welt retten

Die Landwirtschaft wird mit immer mehr Aufgaben belegt, alles um die Welt zu retten.

Der Weltklimagipfel in Berlin ist etwas leise zu Ende gegangen, noch vor zwei Jahren wurde der Klimagipfel in Paris noch großartig gefeiert. Damals glaubte man die Welt ein Stückchen gerettet zu haben. In Berlin war die Stimmung eher kalt.

Nein nicht nur weil der amerikanische Präsident vom Klimagipfel nichts hält (an seiner Stelle kamen dafür ja jede Menge andere amerikanische Politiker) nein die Stimmung war wohl eher kühl weil klar wurde dass viele gesetzte Ziele auch von begeisterten Klimaschutz-Staaten nicht eingehalten werden können.

Ich als Bauer interessiere mich stark für die Beschlüsse des Klimagipfels, die zunehmende Erderwärmung bringt mir eine Reihe von neuen Aufgaben, um nicht Probleme zu sagen. Von der Landwirtschaft wurde auch sehr viel geredet welche Aufgaben diese erfüllen muss um das Klima zu schützen. Für uns Bauern ist das Klima gleich wichtig wie der Boden, verändert sich das Klima so verändert es die Lebensbedingungen für unsere Nutzpflanzen und Tiere.

„Einem Bauer die Folgen der Klimaveränderung zu erklären ist wie einem IT Fachmann die Funktion des Akkus beim Laptop zu erklären.“

Pubsende Wiederkäuer, künstlicher Stickstoffdünger, hoher Energie und Wasserverbrauch der Landwirtschaft beeinflussen das Klima negativ. Auch soll weniger Fleisch produziert werden, dafür mehr Obst und Gemüse und dieses nur für den regionalen Markt und nicht um den Globus geschickt werden. Das sind Forderungen an die Landwirtschaft. Viele Aufgaben also, oft als Agrarwende bezeichnet.

Achja, Autos sollten auch mehr elektrisch fahren, von einfach nur weniger fahren hat man gar nicht gesprochen. Die Landwirtschaft aber muss sich ändern und das schon bald, sonst ist die Welt nicht mehr zu retten.

Als Bauer fühle ich mich aber immer mehr mit Forderungen konfrontiert welche ich nur mit Hilfe der Gesellschaft lösen kann, Landwirtschaft ist der Nahrungsmittelhersteller schlechthin. Dieser stellt Nahrung für den Markt her wo alle einkaufen, er stellt her was der Markt, die Gesellschaft verlangt. Die Gesellschaft aber kauft eben das was dem Klima anscheinend immer mehr schadet. Wenn die Gesellschaft das kauft was dem Klima nützt, dann stellt die Landwirtschaft auch das her. So sollte doch die Gesellschaft mehr geregelt werden und nicht die Landwirtschaft.

So sollte doch eine Verbraucherwende stattfinden damit eine Agrarwende stattfindet.

Ein Beispiel um das Klima zu schützen: der Verbraucher kann nur das kaufen was im Umkreis von sagen wir mal 500 km hergestellt werden kann. Also keine Bananen mehr in Europa auch Ananas und Mango sind passe. Dann nur noch einmal Fleisch in der Woche, Fisch nur noch aus Seen und Flüssen, etwas Krabben aus der Nordsee und Thunfisch aus dem Mittelmeer ist erlaubt. Sehr bald würde sich die Landwirtschaft ändern, denn die Nachfrage würde wieder neue Märkte entstehen lassen. Lebensmittel welche bei uns schon lange nicht mehr angebaut werden würden wieder gefragt sein, Regiokorn würde den Markt nicht sättigen können, die italienischen Reisbauern würden wieder von ihrem Anbau leben können.

Lebensmittel würden allerdings sehr viel teurer werden. Welche Politiker würden diese Forderungen umsetzen? Welcher Wähler würde sie wählen? Sie hätten wohl ein kurzes politisches Leben. Da ist es schon einfacher Märchen zu erzählen und Forderungen an die Landwirtschaft zu stellen und die Lebensmittel aus den armen Ländern dieser Welt zu kaufen, den Verbrauchern kann man erzählen das würde die dortige Landwirtschaft fördern. Wie die dortige Landwirtschaft aussieht interessiert aber keinen, dass der Regenwald für uns Europäer abgeholzt wird das wird von Ökopopulisten gekonnt ignoriert.

Auffallend beim Klimagipfel war die spärliche Kritik am Flugzeug und dessen Abgasen. Der Klimakiller Nummer eins wird stets vernachlässigt, vielleicht auch deshalb weil der Großteil der Teilnehmer mit dem Flugzeug wieder nach Hause fliegen muss und dies das Gewissen belasten würde. Vielleicht aber auch weil unsere öffentlichen Haushalte immer mehr vom globalen Handel abhängig sind, denn nur mit dem Handel werden Steuereinnahmen generiert und davon hängt eine Menge ab. Denn Steuergeld eignet sich gut dafür werbestarke Aktionen durchzuführen und die Menschen abzulenken und zufrieden zu stellen.

Forderungen an die Landwirtschaft zu stellen sind dagegen einfach und davon kann man leicht reden denn die immer kleiner werdende Gruppe der Bauern die kann man eben als Bauernopfer sehr praktisch verwenden, Lebensmittel kaufen wir dann von Bauern aus Ländern welche wir nicht kennen, der Handel wird’s schon richten und Steuereinnahmen gibt es dann noch oben drauf.
Und das Klima? Ach das, das ändert sich ja eh immer wieder dann fliegen wir mit dem Flugzeug fort um den Urlaub zu genießen, hier ist’s dann ja zu heiß und zu trocken.

So trifft es den Bauern die Welt zu retten.

Klemens Klemens Kössler
Nach meiner Ausbildung zum Obst- und Weinbauer arbeitete ich zeitweise in einer Landschaftsgärtnerei sowie verschiedenen anderen Obst und Weinbaubetrieben in der Umgebung meines elterlichen Hofes. Als drittes von drei Kindern übernahm ich nach und nach immer mehr Arbeiten und die Führung am elterlichen Hof in St. Pauls in Südtirol. Da mein Hof in einem touristisch attraktiven Gebiet liegt, bieten wir auch die Vermietung von Ferienwohnungen an, welche zu den Einnahmen am Hof mit beitragen.