Mit dem Winterschnitt beginnt das Jahr im Obst und Weinbau

Nach dem Spiel ist vor dem Spiel sagt man im Fußball. Nach der Ernte ist vor der Ernte kann man in der Landwirtschaft sagen.

Hat man die Ernte eingebracht so hat man damit wieder das Ziel erreicht. Es wird kurz zusammengefasst was gut war und was weniger, was man verbessern kann und was man zum größten Teil hinnehmen muss wie z.B. Wetter oder Marktkapriolen worauf man nur eingeschränkt reagieren kann.

Eine Analyse und ein kurzer Blick zurück auf das vergangene Jahr hilft uns das neue Landwirtschaftsjahr vorzubereiten. Das Jahr beginnt zwar steuerlich mit dem 1. 1. jedoch in Wirklichkeit gleich nach der Ernte. Dabei wird wenn nötig noch dafür gesorgt dass die Pflanzen gut in die Winterruhe kommen. Meine Pflanzen kann ich stärken indem ich bei den Apfelbäumen noch für eine gute Blattreife sorge. Nachdem der Boden im letzten Herbst doch sehr trocken war, habe ich dieses Jahr vor dem entwässern der Beregnungsanlagen nochmals bewässert um nicht das Risiko des Wintertodes durch Wintertrockenheit einzugehen, was im letzten Winter nämlich zu Schäden geführt hat. Denn im Januar kann man die Beregnungsanlagen nicht mehr anschalten, so muss ich Vorsorgen. Dass es in heurigen Winter genug Niederschlag geben wird, das konnte ich ja nicht erahnen weshalb ich vorgesorgt habe.

Die große Vorbereitung auf die nächste Ernte ist aber der Winterschnitt.

Baumschnitt im Morgennebel

Mit dem Winterschnitt sorge ich dafür dass die Pflanzen genügend Kraft für geschmackvolle Früchte haben. Beim Baumschnitt wird der Baum in eine kegelähnliche Form gebracht damit ausreichend Licht in die später belaubte Baumkrone kommt, auch eine gute Durchlüftung des Bauminneren ist wichtig damit sich Pilze und Hefen nicht so schnell entwickeln können und meine Ernte damit beeinträchtigen.  Mit geübtem Blick kann man Blüten und Blattknospen unterscheiden und somit individuell auf den Baum eingehen. Bei vielen Blütenknospen wird das Fruchtholz mehr zurückgenommen, bei wenig Blütenknospen ist ein mäßiger Schnitt angesagt damit genügend Früchte gebildet werden. Die Anzahl der Früchte pro Baum ist das Allerwichtigste um gute Qualität zu erreichen. Zuviel Früchte bedeutet kleine geschmacksarme Früchte, zu wenig Früchte bedeutet zu große und nicht haltbare Früchte auch diese Früchte sind nicht sehr geschmackvoll. Nur ein ausgewogenes Blatt Fruchtverhältnis gibt aromatische, in der Größe ideale Früchte ab. Pro Frucht sollten 25 bis 35 Blätter vorhanden sein, keineswegs werden dabei die Blattknospen abgezählt, das hat ein erfahrener Bauer einfach im Blick.

Der Rebschnitt hingegen sieht fast nach einem Kahlschlag aus, bis auf eine oder zwei Fruchtruten werden die einjährigen Triebe reduziert. Dabei dürfen diese nicht aus dem alten Holz sondern nur aus dem vorjährigen Holz stammen, dies ist wesentlich für die Traubenqualität und eine der wichtigsten Schritte um einen gehaltvollen Wein herstellen zu können. Auschlaggebend ist hier die „Augenanzahl“, das ist die Anzahl der Knospen pro Rebstock. Die Augenanzahl variiert natürlich nach Sorte, aber auch nach Stärke des Rebstockes, was wiederum abhängig von Lage und Boden der Rebanlage ist. Die Fruchtruten werden dann noch vor dem Austrieb am Draht befestigt. Der Rebschnitt wird mit dem sommerlichen Ausbrechen oder Schabigen ergänzt.

Der gesamte Winter wird praktisch zur Schnittarbeit benötigt. Zwischendurch unterbrochen von Weiterbildung und notwendigen Versammlungen von Konsortien, Genossenschaften und Verbänden.

Der Pflanzenschnitt ist für das gesamte anstehende Jahr maßgebend. So ähnlich wie die Aufstellung der Mannschaft im Fußball.

Der Anpfiff für das Spiel, der Start für die neue Ernte ist das Erwachen und Austreiben der Knospen im Frühling. Da heißt es dann gut aufgestellt sein für ein neues Jahr. Die anstehenden Aufgaben wie Wetter und Krankheiten dann zu meistern um im Herbst wieder eine gute Ernte einfahren zu können.

Klemens Klemens Kössler

Nach meiner Ausbildung zum Obst- und Weinbauer arbeitete ich zeitweise in einer Landschaftsgärtnerei sowie verschiedenen anderen Obst und Weinbaubetrieben in der Umgebung meines elterlichen Hofes. Als drittes von drei Kindern übernahm ich nach und nach immer mehr Arbeiten und die Führung am elterlichen Hof in St. Pauls in Südtirol. Da mein Hof in einem touristisch attraktiven Gebiet liegt, bieten wir auch die Vermietung von Ferienwohnungen an, welche zu den Einnahmen am Hof mit beitragen.